St. Marien, Müntzergedenkstätte

In welche Etappe der Kultur- und Stadtgeschichte Mühlhausens man auch Einblick nimmt, immer hat St. Marien – Hauptkirche der Oberstadt und nach dem Erfurter Dom die zweitgrößte Hallenkirche Thüringens – eine wesentliche Rolle gespielt. Hier wurden im Mittelalter die kaiserlichen Rechtsentscheidungen verkündet, hier war die bevorzugte Begräbnisstätte der angesehensten Persönlichkeiten der Stadt, hier predigte der radikale Reformator Thomas Müntzer, hier wurde Fürstentag gehalten, hier erklang zum ersten Mal die Ratswahlkantate des jungen Johann Sebastian Bach.

Seine kunsthistorische Berühmtheit erlangte der nach zwei romanischen Vorgängern errichtete gotische Bau durch das Bildprogramm der südlichen Querhausfassade, das als steingewordenes Symbol der sakralen mittelalterlichen Reichsidee einmalig in der deutschen Kunstgeschichte des 14. Jahrhunderts steht. Zur reichen Ausstattung der Kirche gehören die mittelalterlichen Glasfenster des Hohen Chores, der Hochalter, die frühbarocke Kanzel und auch die romantische Sauer-Orgel, die zu den größten historischen Instrumenten Thüringens zählt. 

Der 1975 säkularisierte Bau dient seither als Museum und Müntzergedenkstätte. Dem Leben und Wirken des Predigers Thomas Müntzer, der hier seine Ideen verbreitete, ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet. Weitere Ausstellungen stellen Gipsabgüsse aus der Restaurierungsphase um 1900 vor bzw. informieren über Baugeschichte und historische Steinmetzkunst. 

Als Architektur- und Geschichtsdenkmal, als Müntzergedenkstätte, als Austragungsort musikalischer und künstlerischer Veranstaltungen und nach wie vor als Stätte des religiösen Lebens ist St. Marien auch heute aufs engste mit dem Geschick der Stadt und ihrer Bürger verbunden.